Planetenaufnahmen mit der Omegon CCD Webcam „Solar System Imager“

Die Omegon CCD Webcam

Seit ca. fünf Monaten habe ich die Omegon CCD Webcam „Solar System Imager“. Es handelt sich hierbei um eine USB-Webcam, die direkt in den Okularauszug eingeschoben wird und mit der sich Sonne, Mond und Planetenaufnehmen lassen. Eine ausführliche Beschreibung zu dieser Webcam gibt es auf Astroshop.de, wo ich die Omegon CCD Webcam auch gekauft habe.

Mit der Omegon CCD Webcam werden kurze Videoclips aufgenommen. Danach werden aus dem Video die einzelnen Bilder extrahiert und übereinander gelegt. Dadurch wird ein Summenbild erzeugt. diese Summenbild kann man mit weiteren Werkzeugen wie Filter, Kontrast, Farbtonwerte verbessern. Die Software mit der ich die Videoclips aufnehme und im Anschluss nachbearbeite ist die Freeware „Giotto“.

Wie Aufgenommen wurde

Nachdem einiger Einarbeitungszeit in das Handling der Webcam am Teleskop so wie die Bedienung der Software möchte ich hier meine ersten Bilder vorstellen. Das Teleskop ist mein Bresser 70/700 auf der EQ2 ohne Motornachführung. Mit der dem Teleskop beigefügten Billig-2x-Barlowlinse wurde die Brennweite auf 1400mm verlängert. Ich richte das Teleskop mit der Omegon CCD Webcam auf ein terrestrisches, fernes Ziel und fokussiere es. Im Anschluss wird der Sucher am Teleskop justiert. Als nächstes wird auf einen Planeten geschwenkt und vorsichtig nachfokussiert. Mit dem Plastik Okularauszug am Teleskop und der Barlowlinse ist das eine recht wackelige Angelegenheit. Schon kleine Änderungen können das Planetenscheibchen aus dem Sichtfeld der der Omegon CCD Webcam verschieben. Vor der Videoaufnahme stimme ich noch die Teibereinstellung der Webcam ab zum Beispiel die Gamma-Korrektur mit der ich die Empfindlichkeit einstelle. Dann erfolgt die Aufnahme. Hierzu lasse ich das Planetenscheibchen komplett durch das Blickfeld wandern, stelle die Stundenachse per Hand nach und lasse das Planetenscheibchen erneut das Blickfeld durchwandern; – fertig. Die so entstandene AVI-Datei hat dann eine Länge von ca. 40 Sekunden, hat um die 1200 Bilder und ist etwas über 1 GB groß. Die Aufnahme von Jupiter entstand am 04.03.2013 um 22:18. Saturn habe ich am 27.05.2013 um 22.43h aufgenommen. Um eine Vorstellung der Aufnahmequalität zu erhalten habe ich hier zwei Einzelbilder aus jeweils einem Videoclip von Jupiter und Saturn.

Einzelbilder aus Video

Einzelbilder aus Videoaufnahme von Jupiter und Saturn.

Die Nachbearbeitung

Als nächstes wird aus den Bildern ein Summenbild erzeugt. Einzelbilder aus den Video werden hierbei übereinander gerechnet. „Giotto“ bietet hier eine Vielfalt von Einstellmöglichkeiten. Hervorheben möchte ich die automatische Planetenscheibchen-Zentrierung, erst dadurch ist es möglich die Bilder ohne Nachführmotor übereinander legen zu können. Auch ein automatischer Qualitätscheck und Subpixelgenauigkeit (Auflösungsverbesserung) sind hier starke Werkzeuge. Hier die Summenbilder von Jupiter und Saturn.

Die Sumenbilder

Die Summenbilder von Jupiter und Saturn.

Auffällig sind die Farblichen Artefakte um Jupiter. Die genaue Ursache habe ich noch nicht herausgefunden. Im Verdacht habe ich Reflexionen im Rohr meiner Barlowlinse oder Verzerrungen des Planetenscheibchens wenn ich die Stundenachse händisch zurückdrehe. Es ist ein leichtes, dies Artefakte mit einem Grafik-Programm zu entfernen. Ich habe mich in diesem Fall zu Demonstrationszwecken dagegen entschieden.

Nun geht es weiter mit der Filterfunktionen. Jupiter sieht man deutlich dass es bei der Aufnahme erhebliche chromatische Fehler entstanden sind. Diese können grob mit der RGB-Verschiebung korrigiert werden. Nun wird das Summenbild gefiltert wobei ich Filtertyp (Gauss/Rechteck/Dreieck) und Filterwirkung (100%-600%) so lange anpasse, bis ein ein gutes Ergebnis in der Vorschau angezeigt wird. Zum Abschluss wird noch der Kontrast und Farbton angepasst. Hier das Endergebnis von Jupiter und Saturn.

Das Ergebnis

Jupiter und Saturn, das Endergebnis.

Bei Jupiter ist deutlich der Rote Fleck zu sehen und die Wolkenbänder. Bei Saturn ist sogar die Cassinische Teilung auszumachen. Das mit einer Öffnung von 70mm! Visuell konnte ich bisher weder den roten Fleck noch die Cassinische Teilung beobachten.

Ich nehme Videoclips auch in schwarzweiß auf um den chromatischen Fehler zu verschleiern. Zudem habe ich den Kontrast etwas knackiger gewählt, wodurch mehr Details sichtbar werden. Deutlich sieht man das an den Wolkenbändern des Jupiter. Auch der Saturnring vor dem Planetenscheibchen tritt deutlicher zum Vorschein.

Das Ergebnis in SW

Jupiter und Saturn, das Endergebnis in SW

Diese Aufnahmen sind meine ersten Schritte in der Planetenfotografie. Es ist schon beeindruckend welche Ergebnisse man hier mit sehr einfachen Mitteln erreichen kann. Ich denke dass ich mit den 70mm Bresser noch bessere Aufnahmen erzielen kann. Eine Montierung mit Nachführung so wie eine qualitativ bessere Barlowlinse steht als nächstes auf meinem Wunschzettel. Die Ergebnisse mit dem neuen Equipment werde ich hier in meinem Astronomie-Blog posten.

Kategorie(n): Allgemein
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3 Antworten auf Planetenaufnahmen mit der Omegon CCD Webcam „Solar System Imager“

  1. Die Cam Omegon CCD hätte ich mir auch beinahe gekauft, soll aber mit einem Mac nicht funktionieren, bzw. die Software läuft nicht auf einem Mac…

    Elmar

    Ulrike Schoch sagt:

    Hallo Mario,

    irgendwo habe ich gelesen, dass die Videoaufnahmen auch sehr lang sein können. Ich stelle mir das so wie bei einer normalen webcam vor, wenn man die Aufnahme nicht auf dem chip, sondern direkt auf der PC -Festplatte macht.

    Kann das gehen??

    Freundliche Grüße

    Ulrike

    • Hallo Ulrike,
      die Omegon CCD Webcam wird an einen PC/Notebookan geschlossen und die Aufnahme wird dort auf die Festplatte gespeichert. Dort hat man dann ein Video-Clip den man weiter bearbeiten kann.

      Gruß, Mario